Eine alte Bäckerei, zuletzt Brummi-Werkstatt mit 200 m² Halle, 60 m² Werkstätten und 1000 m² verwilderter Außenfläche im Outback von Wilhelmsburg wollen wir gemeinsam mit Gleichgesinnten Schritt für Schritt zur ersten Community-Stadtfarm Hamburgs ausbauen.  Minitopia möchte Plattform, Keimzelle und Spielplatz urbaner Selbstversorgung werden. Wir wollen hier gemeinsam mit ExpertInnen, PionierInnen und QuerdenkerInnen – und EUCH! – ausprobieren, ob und wie wir uns mit den Ressourcen vor Ort, unseren eigenen Händen und gegenseitiger Unterstützung auch in der Stadt selbst versorgen können – unabhängig von Kontostand und globalen Verstrickungen.  Nach dem Motto “Back to the Future” lernen kleine und große Stadtkinder, sich wie in alten Zeiten ohne HiTech, Supermarkt und Kaufhäuser selbst zu helfen – und entdecken dabei vielleicht ganz nebenbei zukunftsfähige Lösungen, um den Herausforderungen unserer modernen, industrialisierten und globalisierten Welt zu begegnen. 

Hintergrund

Für die einen ist es die große Hoffnung, für die anderen der große Schrecken: Die Globalisierung. Schrecken deswegen, weil diese riesigen vernetzten Systeme, die hinter unserem täglichen Leben stehen, und der zunehmende Verlust lokaler Strukturen ein Gefühl der Abhängigkeit hervorrufen – von weltweiten Entwicklungen, die z.T. dramatische Auswirkungen auf unser Leben haben und die offenbar außerhalb unserer Kontrolle liegen. Die Art wie wir denken, handeln, wie wir unser Leben organisieren, arbeiten, konsumieren hat Folgen für das Miteinander und den gesamten Planeten. Für viele ist ein Leben ohne täglich rollende Transporter überhaupt nicht mehr vorstellbar. Heutzutage genügt schon ein mehrtägiger Stromausfall, um unser alltägliches Leben völlig auf den Kopf zu stellen. Es scheint, als sei der/die Einzelne dem Geschehen hilflos ausgeliefert. Dabei ist ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen keine Frage des Geldes und nicht allein die Aufgabe von Regierungen und Behörden. Jeder ist imstande und auch aufgerufen, sich für eine nachhaltigere und ökologisch lebenswertere Gesellschaft aktiv einzusetzen.

Ziele

Jede Krise beinhaltet gleichzeitig die Möglichkeit der Wandlung und Weiterentwicklung. Wir möchten in erster Linie dazu ermuntern, den z.T. beängstigenden Folgen der Globalisierung nicht mit Ängsten, Verzweiflung oder Schuldzuweisungen zu begegnen, sondern mit Kreativität, Experimentierfreude und Spaß am Gestalten. Ziel ist es, das Bewusstsein dafür zu schärfen, welche Auswirkungen unser Lebensstil auf weltweite Entwicklungen hat, welche Verantwortung jede/r Einzelne trägt und vor allem: welche Alternativen es gibt, die auch im kleinen Rahmen mit wenig Mitteln im Alltag umsetzbar sind, um eine Kehrtwende einzuleiten. Dabei geht es nicht um die Rückkehr in die Steinzeit, sondern ums Erfinden neuer Formen und Konzepte, aber auch um die Wiederentdeckung bewährter Methoden. Wir wollen Gewohnheiten, Mangel- und Konkurrenzdenken hinterfragen, um mit einer neuen Einstellung und im Rahmen der eigenen Möglichkeiten mit neuem Konsum zu reagieren.

Bausteine

  • Selbstversorger-Beete

Wichtigster Bestandteil des Projekts ist die Entwicklung von mobilen, langfristig weitgehend autarken Selbstversorger-Gärten nach den Prinzipien der Permakultur. Gemeinsam finden wir heraus, wie auf kleinstem Raum, ohne künstliche Hilfsmittel und mit minimalem Energieaufwand maximale Erträge an Gemüse, Obst, Kräutern etc. für den Eigenbedarf zu erzielen sind. Ziel ist es, sich nur von Lebensmitteln ernähren zu können, die in der eigenen Region und in der aktuellen Jahreszeit erzeugt wurden. Mitmachen kann jeder, egal ob er einen Garten, einen Innenhof, einen Balkon oder nur eine Fensterbank zur Verfügung hat. Material und Werkzeug wird zur Verfügung gestellt; gebaut, gepflanzt, gepflegt und geerntet wird selbst; in regelmäßigen Austauschtreffen werden Methoden, Erfahrungen und Erkenntnisse miteinander geteilt. Gegärtnert wird in mobilen Hochbeeten aus Holzpaletten – eine praktische Alternative, wenn eine dauerhafte Bepflanzung aufgrund versiegelter oder kontaminierter Böden nicht möglich ist. Aufgrund ihrer beweglichen und modulartigen Form können sie jederzeit den Ort wechseln, wenn die ursprüngliche Fläche nicht mehr zur Verfügung steht.

  • Do-It-Yourself-Werkstatt

Weiterer Bestandteil von “Minitopia” ist eine “Do-It-Yourself”-Werkstatt für handwerkliche Projekte, in der Werkzeuge, Wissen und tatkräftige Unterstützung zur Verfügung gestellt werden, um neben Hochbeeten, Hummelhäusern, Nisthilfen, Insektenhotels, Wurmkisten oder Mini- Kompostern auch Alltagsgegenstände wie Möbel, Instrumente oder Spielzeug mit einfachen Mitteln selbst herzustellen bzw. kreativ zu recyceln und einfache Reparaturen selbst durchführen, anstatt Kaputtes wegzuwerfen und neu zu kaufen. Mit kleinen TechnikExperimenten für hand-, magnet- oder batteriebetriebene Antriebssysteme können wir vorübergehend – oder dauerhaft – den Strom aus der Steckdose ersetzen und mit dem Bau von “Survival- Tools” wie Hobo- oder Solarkocher, Wasserfilter oder Zelt-Ofen und ein bisschen KnowHow können wir uns sogar im Freien mit dem Lebensnotwendigsten versorgen.

  • Projektküche

In unserer Projektküche lernen wir, Reste zu verwerten, Lebensmittel haltbar zu machen, umweltschädliche Produkte ohne großen Aufwand durch nachhaltige Alternativen zu ersetzen und dadurch nicht nur Geld zu sparen, sondern auch große Mengen Abfall, Plastik und ungesunder Zusatzstoffe zu vermeiden. Bei gemeinsamen Koch-Aktivitäten werden traditionelle Methoden zur Verarbeitung von Lebensmitteln ausprobiert und viel Wissen zu natürlicher Ernährung geteilt. Statt Etikettenschwindel, unverständliche chemische Zusätze und erschöpfte Ressourcen zu befürchten, lernen wir, welche Nähr- und evtl Schadstoffe in Lebensmitteln stecken, wo und wie Lebensmittel produziert werden, wie mit natürlichen Ressourcen wie Wasser und Boden umgegangen wird und welchen Weg sie bis zum Teller nehmen. Zudem lernen wir Inhaltsstoffe und Produktionsbedingungen von Haushaltsprodukten kennen: Reinigungsmittel, Kosmetika, Textilien etc. – alles ohne erhobenen Zeigefinger, sondern mit vielen Aha-Erlebnissen und in lockerer Atmosphäre.

www.minitopia.hamburg